Was macht einen guten Skipper aus?

Wodurch nimmt die Crew den Schiffsführer als guten oder als eher durchschnittlichen Skipper wahr?

Ähnlich, wie der Dirigent eines Orchesters – ein guter Schiffsführer muß viele, sehr unterschiedliche Fähigkeiten in sich vereinen und beherrschen. Diese unterschiedlichen Fähigkeiten lassen sich unterteilen in:

Yachthandling und Crewhandling.

Die Übergänge zwischen den beiden Bereichen sind fließend, greifen wie Zahnräder in einem Getriebe ineinander und funktionieren am besten, wenn der Skipper versucht, beides in ausgewogener Balance zu halten. Selbst sehr erfahrene Segler, ohne die empathische Fähigkeit, die Befindlichkeiten der Crewmitglieder zu erkennen, scheitern bei den Aufgaben guter Schiffsführung.

Genau so oft scheitern auch Crewversteher, ohne das handwerkliche Können eine Yacht in einer schwierigen Situation zu bewegen. Yachthandling besteht aus der grundsätzlichen Fähigkeit, die Yacht in allen Bereichen sicher zu bewegen. Egal, ob selbst am Steuer, oder, noch besser, in einer Position, von der aus man alle Bereiche überblicken und gegebenenfalls managen kann. Viele Skipper sind irrtümlich der Meinung, daß ihr Platz ausschließlich hinter dem Steuerrad ist. Von der Position hinter dem Steuerrad werden der Crew dann oftmals zackige Kommandos zugebrüllt und gleichzeitig die Tätigkeit des Steuerns der Yacht oder die Navigation völlig vernachlässigt. Das Führen einer Yacht sollte tatsächlich als „Führen“ und nicht zwingend nur als Steuern verstanden werden.

Profi Tipp 1: Gute Skipper geben das Steuerrad aus der Hand!

Vorteil:

Ihr könnt Euch auf mehrere Bereiche der Yacht konzentrieren ohne daß dabei das Steuern vernachlässigt wird. Je erfahrener die Crewmitglieder mit dem Steuern der Yacht sind, umso besser. Die navigatorischen Anforderung können von Euch ebenso einfacher erledigt bzw. kontrolliert werden.

Profi Tipp 2: Die Übung macht´s!

Genau wie die Musiker eines Orchesters- nur wer ständig seine Fähigkeiten übt, bereit ist Neues dazuzulernen und bereit ist alte Abläufe zu überdenken und zu optimieren, bleibt auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit. Zur Routine bei Saisonanfang, bei Törnbeginn oder immer wenn sich die Möglichkeit dazu bietet, sollte ein Skipper sich und seine Crew im Yachthandling üben.

Simple Manöver wie z.B. das kursgerechte Aufstoppen, Wenden auf engem Raum, Anlegen mit und gegen den Radeffekt und das Ablegen, auch mit Zuhilfenahme einer Vor- oder Achterspring, sollten immer zum Repertoire eines guten Skippers gehören.

Bei den Segelmanövern gilt es natürlich die Standardmanöver wie Wenden und Halsen, aber auch das Beidrehen und ganz besonders das Reffen zu beherrschen. Wenn bei 30 Knoten Wind erstmal überlegt werden muß, wie die Reffeinrichtung funktioniert, ist Skipper und Crew schnell überfordert. Besonderer Übungsbedarf besteht beim „Mensch über Bord“ Rettungsmanöver. Nicht alle Yachten sind gleich.

Manöver, die sich für die eine Yacht anbieten, können für die nächste Yacht gänzlich ungeeignet sein. Im Besonderen sollte sich der umsichtige Skipper Gedanken über das Rettungsmanöver seiner Wahl machen. Die Meinung, daß das meist propagierte Rettungsmanöver mit Q-Wende oder Halse ist in jedem Fall das Allheilmittel ist, muß sorgfältig überdacht werden und auch gegebenenfalls mal über den deutschen Tellerrand geblickt werden. Andere Verbände, wie zum Beispiel die englische RYA gehen in diesen Bereichen andere, meist zeitgemäßere Wege…

Profi Tipp 3: Die Kommunikation macht´s!

…und hier greift der Bereich des Yachthandlings nahtlos in den Bereich des Crewhandlings über. Ganz wichtig dabei: Nicht brüllen! Wer an Bord brüllt, wird über Kurz oder Lang alleine unterwegs sein. Beispiele dafür gibt es viele.

Auch militärisch zackige Kommandos sind auf modernen Yachten Fehl am Platz. Die Zeit für einen freundlichen Umgangston, gerne auch mal mit den Worten „Bitte und Danke“, ist in jedem Fall vorhanden. Stellen Sie sich vor, wer im Normalfall bei Ihnen an Bord ist. Freunde oder Familie, oder beide… Niemand aus diesem Kreis möchte gerne in seiner Freizeit im Befehlston herumkommandiert werden, geschweige denn von einem überforderten Skipper im Hafen vor Publikum angebrüllt werden. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Crew in die zu erledigenden Arbeiten einzuweisen, alles zu erklären – Fragen zu erkennen und Fragen zu beantworten.

Geschieht ein Fehler an Bord liegt es oft nur daran, daß das Crewmitglied nicht sicher wusste, was genau von ihm erwartet wurde. Werden Fehler noch dazu mit ständigem Brüllen quittiert, lähmt das sämtliche Aktivitäten an Bord, weil jeder Angst hat etwas falsch zu machen. Passieren Fehler, ist das menschlich.

Die Ursache dafür ist meist bei uns Skippern selbst zu suchen, weil wir die Aufgabe nicht ausreichend genau erklärt und definiert haben.

Profi Tipp 4: Die Ruhe macht´s!

Bleiben Sie ruhig! Äußerlich zumindest. Auch wenn es in Ihrem Inneren noch so aufgewühlt aussieht. Zeigen Sie Ruhe, Zuversicht und Gelassenheit!
Diese innerliche Ruhe überträgt sich auf Schiff und Crew. Denken Sie daran – wir begeben uns freiwillig in diese Situation. Niemand zwingt uns und unsere Crewmitglieder dazu unsere Freizeit in dieser Umgebung zu verbringen.

Zeigen Sie Ruhe und Gelassenheit, genießen Sie die Zeit an Bord mit den Menschen, die Ihnen wichtig sind und danken Sie diesen Menschen dafür, daß sie sich Ihnen und Ihren Fähigkeiten anvertrauen.

Herzlichst,

Ihr

Frank Siebenhofer, RYA Yachtmaster